Zurück zur Übersicht
07:15 Uhr - 24.06.2020

Dufry passt sich an neue Realität an

Der Reisedetailhändler nimmt harte Einschnitte beim Personal vor. Wie sich das auf das Ergebnis auswirkt, ist schwer abschätzbar.

Dufry (DUFN 31.92 2.41%) plant einschneidende Massnahmen beim Personal: Insgesamt will der Reisedetailhändler 20 bis 35% der dort anfallenden Kosten einsparen, wie er am Mittwochmorgen kommuniziert.

Details zur Anzahl Stellen und zu den Standorten nennt Dufry nicht. Wegen Konsultationsverfahren sei dies derzeit nicht möglich. Umsetzen will der Duty-Free-Shop-Betreiber die Massnahmen zwischen Juni und Oktober.

Einbruch des Flugverkehrs

Überraschend kommt der Einschnitt indes nicht. Das Unternehmen befindet sich derzeit in einer beispiellosen Krise. Infolge der Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus ist der Flugverkehr weltweit eingebrochen. An Flughäfen erwirtschaftet Dufry rund 88% ihrer Einnahmen.

Entsprechend litt auch Dufrys Umsatz stark: Mehr als 90% betrug das Minus im April. Für das Gesamtjahr gehen Analysten laut Bloomberg von einem Umsatz in Höhe von gut 4 Mrd. Fr. aus – nach mehr als 8,6 Mrd. im vergangenen Jahr. Die Gesellschaft selbst rechnet mit 40 bis 70% niedrigeren Einnahmen.

Und ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Branchenexperten erwarten, dass sich die Krise im Flugverkehr noch Jahre hinziehen wird. Der Dachverband der Fluggesellschaften (Iata) rechnet für 2021 mit einem Rückgang der globalen Passagierzahlen um ein Drittel gegenüber 2019. Umso wichtiger ist es für Dufry, die Ausgaben nachhaltig senken zu können. 2019 brachte die Gesellschaft 1,24 Mrd. Fr. für Personal auf. Neben den Mieten der grösste Kostenpunkt.

Weitere Massnahmen

Der Reisedetailhändler hat schon davor Massnahmen getroffen, um die Krise abzufedern. Mit einer kleineren Geschäftsleitung und einer schlankeren Länderaufteilung sollen Kosten eingespart und die Flexibilität für die erwartete Erholung des Reiseverkehrs erhöht werden.

Wie gross das finanzielle Optimierungspotenzial ist, beziffert Dufry nicht. Die Gesamtvergütung der Geschäftsleitung dürfte sinken. Die Unternehmensführung gehört im Vergleich zur Grösse der Gesellschaft zu den Top-Verdienern in der Schweiz.

Finanzierung vorerst gesichert

Um den Mittelabfluss zu bremsen, wurden ausserdem Mieten neu verhandelt, auch von Staats­hilfen wurde Gebrauch gemacht. Dufry will zudem geplante Investitionen in Höhe von 160 Mio. Fr. vorerst stoppen.

Als Bilanzmassnahme hat sie die Dividende gestrichen, eine Kapitalerhöhung durchgeführt und eine Wandelanleihe emittiert. Von den kreditgebenden Banken hat sie zusätzliche Kreditlinien erhalten. Gleichzeitig werden die Verschuldungskriterien vorübergehend gelockert.

Dank dieser Schritte erhöhten sich die liquiden Mittel zwischenzeitlich von 686 Mio. auf 1,6 Mrd. Fr. Im Mai gingen Marktbeobachter davon aus, dass die Finanzierung bis zum ersten Quartal 2021 gesichert ist. Die Situation bleibt aber schwierig, wie die jetzt verkündeten Einschnitte klarmachen.

Sparpotenzial schwer abschätzbar

Die geplanten Kostensenkungen sind positiv zu werten. Sie dürften Dufry Luft geben – und die Aktien stützen. Seit Jahresbeginn haben sie zwei Drittel ihres Werts eingebüsst. Doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich nicht abschätzen, wann und wie sich der internationale Flugverkehr erholt.

«Finanz und Wirtschaft» bleibt deshalb zurückhaltend. Bis klar ist, wie gross das Sparpotenzial tatsächlich ist, kann für das laufende Geschäftsjahr keine neue Schätzung für den Jahresverlust 2020 gemacht werden. Sie beträgt derzeit 10 Fr. je Aktie. Bestehende Aktionäre sollten dabeibleiben. Für neue Engagements ist der Zeitpunkt noch nicht gekommen.

Die komplette Historie zu Dufry finden Sie hier. »

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Lösen Sie für 4 Wochen ein FuW-Testabo und lesen Sie auf www.fuw.ch Artikel, die nur unseren Abonnenten zugänglich sind.

Seite empfehlen



Kopieren Sie den Link [ctrl + c] und fügen Sie ihn in ein E-Mail ein [ctrl + v]. Aus Sicherheitsgründen ist kein Versand von E-Mails direkt vom VZ Finanzportal möglich.