Brasiliens Starbanker und Gründer der Investmentbank BTG Pactual, André Esteves, expandiert mit der Schweizer BSI ins Ausland. Seine Wege haben ihn schon einmal in die Schweiz geführt.
Seit letztem Jahr ist es still geworden um den brasilianischen Banker André Esteves. Er machte sich einen Namen in der Branche, als er 38-jährig die Mehrheitsanteile seiner Investmentbank Pactual für insgesamt 3,1 Mrd. $ an die UBS (UBSN 16.64 0.85%) verkaufte und zum jüngsten Milliardär Brasiliens wurde. Damals war er bereits seit siebzehn Jahren bei Pactual: Er hatte 1989 – noch als Student – in Pactuals IT-Abteilung zu arbeiten begonnen und war zu einem erfolgreichen Händler aufgestiegen in einer Zeit, als in Brasilien noch Hyperinflation geherrscht hatte.
Bald schon erwarb Esteves die Mehrheit an Pactual, die er 2006 an UBS verkaufte. Nach dem Verkauf leitete er das weltweite Anleihengeschäft der Schweizer Grossbank – allerdings nur für kurze Zeit: Er verliess sie bereits nach einem Jahr.
Endgültig legendär wurde der gelernte Mathematiker und Informatiker Esteves jedoch, als er seine Bank nur drei Jahre später für den gleichen Preis zurückerwarb – obwohl sie inzwischen dreimal so viel Eigenkapital besass wie noch unter seiner Führung. Da die UBS in Schieflage geraten war, sah sie sich zum Verkauf gezwungen.
Grösster Börsengang in der Geschichte Brasiliens
Als er dann eineinhalb Jahre später 10% seiner wiedererworbenen BTG Pactual veräusserte, war die ganze Bank sechsmal so viel wert wie beim Deal mit UBS. Und so ging es eigentlich immer weiter: Der Börsengang 2012 wurde der grösste in der Börsengeschichte Brasiliens. 2 Mrd. $ nahmen Esteves und seine Partner ein, um damit die internationale Strategie zur führenden Investmentbank zu finanzieren.
Esteves blieb dabei immer der gleiche: der dunkelblaue Bankeranzug, das dichte Haar, die randlose Brille. Er taucht weder auf extravaganten Feiern der Elite São Paulos auf, noch ist er bekannt für teure Hobbys. Lediglich in seinem Bankgeschäft demonstriert er ein imposantes Selbstbewusstsein: BTG in seinem Banknamen soll eigentlich stehen für «Banking and Trading Group». In der Branche heisst es, Esteves meine damit jedoch auch «Better than Goldman» – also verkürzt: höhere Gewinne als die US-Investmentbank Goldman Sachs (GS 176.24 -0.33%). Eine Zeit lang sah es denn auch aus, als gelinge Esteves alles. Denn BTG arbeitete wie ein Private-Equity-Fonds: Esteves stieg in unterbewertete brasilianische Unternehmen ein und verkaufte sie danach mit hohem Gewinn.
Es wird schwieriger
Doch das Geschäft ist schwierig geworden in Brasilien: Die Wirtschaft wächst kaum noch. Die Regierung mischt sich ein in die Energiebranche und die Banken. Kaum noch Börsengänge finden statt. Seit drei Jahren tritt der Aktienmarkt auf der Stelle. Die einfachen Gewinne der Investmentbanken, wie sie in den Jahren bis etwa 2010 üblich waren, sind vorbei – und damit auch die Basis für den weiteren Aufstieg von Esteves’ BTG Pactual. Ein Blick in die Bilanz des ersten Halbjahres 2014 zeigt: Bei Private Equity (PEHN 63 0.32%), im Investment Banking und im Kreditgeschäft sinken die Einnahmen. Esteves erreicht zwar nach einem kleinen Durchhänger 2013 wieder das selbst gesetzte Renditeziel von 20% (ROE).
Doch langfristig wird das nicht mehr so einfach sein, in Brasilien «besser als Goldman» zu sein. Deswegen geht er jetzt ins Ausland: Mit BSI erwirbt er einen traditionellen Schweizer Vermögensverwalter. Er will ihn mit dem eigenen Wealth Management kombinieren. Rund die Hälfte des Gewinns will BTG jetzt künftig mit den Anlagen vermögender Kunden verdienen. Ob es ihm gelingen wird, auch ausserhalb Brasiliens so erfolgreich zu arbeiten wie in seiner Heimat, wo er Konzerne, Kunden und Konkurrenten genau kennt – das bleibt abzuwarten. Die Investoren scheinen ihm zu vertrauen: Der Aktienkurs von BTG Pactual hat in zwölf Monaten rund 30% gewonnen – fast doppelt so viel wie der Bovespa-Index.
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